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Ergonomisch sitzen im Rollstuhl: was dahintersteckt

Strongback Comfort von der Seite mit nach vorn geklappter, in den Rahmen integrierter Rückenlehne
Die Rückenlehne ist Teil des Rahmens und nicht zwischen zwei Rohre gespannt.

Wer täglich viele Stunden im Rollstuhl sitzt, sitzt länger als die meisten Menschen im Bürostuhl. Trotzdem wird über die Sitzposition im Rollstuhl viel weniger gesprochen als über Bürostühle. Dieser Artikel erklärt, was ergonomisches Sitzen meint, woran man es erkennt und welche Maße dabei eine Rolle spielen.

Was ergonomisches Sitzen bedeutet

Der Begriff geht auf den polnischen Wissenschaftler Wojciech Jastrzębowski zurück, der ihn Mitte des 19. Jahrhunderts prägte. Gemeint ist, Arbeit und Umgebung an den Menschen anzupassen statt umgekehrt. Auf das Sitzen übertragen heißt das: die Haltung soll der Anatomie folgen, nicht der Form des Möbels.

Eine wichtige Einschränkung gleich vorweg: Es gibt nicht die eine richtige Sitzposition, die man stundenlang halten soll. Bewegung und Positionswechsel gehören dazu. Bei Menschen, die den Rollstuhl den ganzen Tag nutzen, ist der Wechsel zwischen Sitzen und Stehen aber nur eingeschränkt möglich. Umso mehr kommt es darauf an, dass die Grundposition stimmt.

Die anerkannten Grundsätze

Für den Arbeitsplatz gelten Richtwerte, die sich sinngemäß übertragen lassen:

  • Die Füße stehen flach auf, bei einem Rollstuhl auf den Fußstützen.
  • Ober- und Unterschenkel bilden etwa einen rechten Winkel.
  • Im unteren Rücken stützt etwas die natürliche Wölbung der Lendenwirbelsäule.
  • Die Armauflagen sind so hoch, dass die Schultern locker bleiben.
  • Das Becken sitzt hinten im Sitz, nicht vorn an der Kante.

Warum ein Gurtrücken dagegen arbeitet

In einem Standardrollstuhl besteht die Rückenlehne aus einer Bespannung zwischen zwei Rohren. Neu ist sie straff, mit der Zeit gibt sie nach. Es entsteht eine Mulde, in der das Becken nach hinten kippt und der Rücken rund wird. Der flache Sitz verstärkt das, weil man nach vorn rutscht, um Halt zu finden. Das Ergebnis kennen viele: man sinkt im Laufe des Tages zusammen.

Was eine rahmenintegrierte Lehne anders macht

Bei unseren Modellen ist die Rückenlehne nicht gespannt, sondern in den Rahmen integriert und der S-Kurve der Wirbelsäule nachgeformt. Dazu fällt der Sitz um 12° nach hinten ab. Beides greift ineinander: das Becken bleibt hinten, die Lendenwirbelsäule behält ihre Wölbung, und der Oberkörper wird nicht in eine runde Haltung gezogen. Der Rückenlehnenwinkel reicht von -10° bis +20°, beim HD Heavy Duty bis +24°. Nachrüsten von Kissen oder Keilen ist dafür nicht nötig.

Das ist eine konstruktive Eigenschaft, keine Behandlung. Was eine bestimmte Sitzposition medizinisch bewirkt, hängt vom Einzelfall ab und gehört in die Hände von Arzt, Therapie oder Sanitätshaus. Wir beschreiben, was das Produkt tut; die Beurteilung, ob es für Sie das Richtige ist, treffen Sie mit fachlicher Begleitung.

Woran Sie es beim Probesitzen erkennen

  • Rutschen Sie nach zehn Minuten nach vorn, oder sitzen Sie stabil?
  • Können Sie sich anlehnen, ohne dass der Rücken rund wird?
  • Erreichen Ihre Arme die Greifreifen ohne Schulterhochziehen?
  • Drückt die Sitzkante in die Kniekehle?
  • Sitzen Sie mittig, oder kippt der Oberkörper zur Seite?

Das Ergonomie-System unserer Rückenlehne ist patentiert und wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem German Design Award. Die vollständigen Maße aller Modelle stehen in den Tabellen auf den Produktseiten, ein Überblick in der Rollstuhl-Übersicht.

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